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Call for Papers: Tagung vom 18. bis 21. März 2026 in Augsburg 

Gemeinsam mehr erreichen!rhizom min

Teilhabe ausbauen – Räume gestalten – Wohnungslosigkeit überwinden

  1. Inhaltlicher Fokus
  2. Ziel & Teilnehmende
  3. Themen & Mitwirkung
  4. Beiträge
  5. Beitragsformate
  6. Einreichung & Deadline
  7. Dokumentation & Kontakt

CfP Gemeinsam Tagung Augsburg 2026.pdf

1. Inhaltlicher Fokus

Die Nicht-Verfügbarkeit von Wohnraum als gesellschaftliches Problem führt dazu, dass Situationen der Wohnungs- und Obdachlosigkeit als Abweichungen von hegemonialen bürgerlichen Normen des Wohnens und Lebens, als individuelles Versagen betrachtet werden. So bewegen sich obdachlose und wohnungslose Menschen dauerhaft im öffentlichen und quasi-öffentlichen Raum und/oder in Räumen, die ihnen zugewiesen werden und eignen sich die vorgefundene Infrastruktur auf kreative Weise an. Diese Formen der Raumnutzung werden oftmals sanktioniert, kriminalisiert und ordnungsrechtlich verfolgt.

Die gesellschaftlich wahrgenommenen Abweichungen von der als normal geltenden Lebensführung führt zu Prozessen sozialer Entwertung, Zuschreibungen und Exklusion. Der Verlust des Wohnraums wird dabei zu einem master status, der alle anderen Eigenschaften und Fähigkeiten der betroffenen Menschen überlagert. Unbehaust-Sein fungiert als soziales Stigma, das mit negativen moralischen, körperlichen oder sozialen Attributen verknüpft ist.

Obdach- und wohnungslose Menschen erfahren Ausgrenzung und eingeschränkte gesellschaftliche Teilhabemöglichkeiten. Ihnen wird häufig verwehrt, gesellschaftlich anerkannte Lebensmöglichkeiten in Anspruch zu nehmen, am Leben in der Gemeinschaft teilzunehmen, ein menschenwürdiges Leben zu führen und gesellschaftliche Normalität und Zugehörigkeit zu erleben.

Stigmatisierungsprozesse manifestieren sich in unterschiedlichen Formen von Gewalt – physisch, psychisch, sexualisiert oder strukturell – und reichen von offener Diskriminierung über institutionelle Benachteiligungen und Marginalisierungen bis hin zu sozialem Ausschluss und Entmenschlichung.

Obdach- und wohnungslose Menschen werden von der Gesellschaft ausgeschlossen. Gleichzeitig interagiert die Gesellschaft mit obdach- und wohnungslosen Menschen und verhält sich dabei ihnen gegenüber in besonderer Art und Weise. Dadurch bleiben sie Teil von ihr – sie sind gleichzeitig drinnen und draußen. So kommunizieren obdach- und wohnungslose Menschen in ihrem Alltag mit Bürger*innen, Sozialarbeiter*innen, Politiker*innen oder
Forscher*innen. In der Regel kennzeichnen Machtasymmetrien diese Beziehungen zwischen nicht-wohnungslosen und wohnungslosen Individuen.

Interessanterweise entstehen Räume der Wechselbeziehungen, in denen sowohl Ausschließung und Instrumentalisierung als auch Teilhabe und Selbstwirksamkeit von obdach- und wohnungslosen Menschen möglich sind: Auf der Mikroebene des wechselseitigen Handelns kann es einerseits zur Herstellung und Aufrechterhaltung von Benachteiligungen, Barrieren und Ausgrenzungen kommen, andererseits aber auch zur zwischenmenschlichen Kommunikation auf Augenhöhe und gegenseitigem Respekt, zum Abbau von Hierarchien und Machtunterschieden, zur Vermittlung von Ressourcen zur Teilhabe sowie zur Reduktion von Benachteiligungen und Schwellen. Das Teilhabeerleben von obdach- und wohnungslosen Menschen ist abhängig vom Ausmaß an partizipativen Praktiken, die in der sozialen Interaktion in Co-Präsenz hergestellt werden.

Auf diese Weise können ergebnisoffene Räume entstehen, in denen Teilhabechancen in tatsächliche Teilhabeprozesse überführt werden, in denen Akteur*innen Selbstwirksamkeit entwickeln, individuelle und kollektive Handlungsmöglichkeiten erweitern und sich solidarische Interessengemeinschaften und Netzwerke artikulieren können.

2. Ziel & Teilnehmende

Die geplante Tagung „Gemeinsam mehr erreichen! Teilhabe ausbauen – Räume gestalten – Wohnungslosigkeit überwinden“ lädt dazu ein, sich diesen partizipativen Praktiken in den Teilhabefeldern Gesellschaft, Soziale Arbeit, Politik und Forschung zuzuwenden, um Erfahrungen der Teilhabe und Nicht-Teilhabe zu diskutieren und ein wechselseitiges Verstehen von unterschiedlichen Deutungen und Positionen zu ermöglichen.

Wir wollen gemeinsam über Strategien sprechen, mit denen wir ein wechselseitiges Verständnis erreichen und Beteiligung, Empowerment und Selbstvertretung weiter entwickeln können und wie wir eine nachhaltige Überwindung von Obdach- und Wohnungslosigkeit bewirken können.

Die Tagung richtet sich an Menschen mit Wohnungslosigkeitserfahrung, Bürger*innen, Sozialarbeiter*innen, Politiker*innen und Forscher*innen (aus Grundlagen-, Anwendung-, Aktions- und studentischer Lehrforschung) gleichermaßen.

3. Themen & Mitwirkung

Dabei geht es vor allem (aber nicht ausschließlich) um folgende Themen:

  • Welche wechselseitigen Erfahrungen mit Teilhabe (z. B. Beteiligung und Selbstvertretung) wurden von Menschen mit Wohnungslosigkeitserfahrung,Bürger*innen, Sozialarbeiter*innen, Politiker*innen und Forscher*innen in verschiedenen Kontexten gemacht?
  • Wie und warum gelingen, wie und warum scheitern Teilhabeerfahrungen? Welche Voraussetzungen, welche Grenzen werden wahrgenommen? Wie werden diese bearbeitet?
  • Wie kann Beteiligung und Selbstvertretung zu Empowerment und Teilhabe beitragen und was braucht es hierfür?
  • Wie müssen Räume und Prozesse gestaltet werden, um eine Verbesserung von Teilhabemöglichkeiten, Beteiligung und Selbstwirksamkeit von obdach- und wohnungslosen Menschen zu gewährleisten?
  • Wie kann das übergeordnete Ziel, Obdach- und Wohnungslosigkeit zu überwinden, durch den Ausbau von partizipativen Praktiken gefördert werden?

Die Ausschreibung ist themenoffen und will möglichst viele Facetten von und Perspektiven auf das soziale Phänomen der Teilhabeerfahrungen und partizipativen Praktiken vereinen und verhandeln.

Die dreitägige Konferenz soll ein geeignetes Austauschformat sein, um Menschen mit Wohnungslosigkeitserfahrungen, Bürger*innen, Sozialarbeiter*innen, Politiker*innen, Künstler*innen und Forscher*innen zusammenzubringen.

4. Beiträge

Wir erwarten erfahrungsgestützte, empirische und theoretische Beiträge und Ansätze, die auf der Tagung gemeinsam diskutiert werden können. Auch studentische Arbeiten sind willkommen. Neben wissenschaftlichen Vorträgen und Workshops sollen besondere offene Formate angeboten werden, um Gestaltungs- und Partizipationsmöglichkeiten zu schaffen und Erfahrungen, Ansätze, Methoden und Erkenntnisse öffentlich und niedrigschwellig vorzustellen.

Die Tagung dient dem Austausch, der Vernetzung, der Vorstellung und Weiterentwicklung vor innovativen Lösungsansätzen. Mit der Kooperation der Wohnungslosen_Stiftung, Tür an Tür e. V., dem Frauen*Salon und der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm setzt die Tagung an der Schnittstelle von Selbstvertretung, Wohnungsnotfallhilfe, Flucht und Forschung an, um vielfältige Lebenslagen, Diskriminierungserfahrungen und Teilhabebarrieren sichtbar zu machen und gemeinsam neue Handlungsansätze zu entwickeln.

Wir wählen im Rahmen der Veranstaltung die Anrede des „kollegialen Du“, um eine vertraute und angenehme Atmosphäre zu schaffen, in der sich alle Teilnehmenden als Menschen begegnen können.

5. Beitragsformate

Bitte reicht Euren Vorschlag für ein Tagungsformat in Form einer Idee oder eines kurzen Abstracts ein. Folgende sieben Beteiligungsformate sind möglich:

  1. Kurz-Statement: Ein drei- bis fünfminütiger Vortrag, in dem eine Erfahrung, eine Idee oder eine Anmerkung den Tagungsteilnehmenden präsentiert wird.
  2. Vortrag: Der mündliche Vortrag auf der Grundlage von wissenschaftlicher Forschung oder praktischer Erfahrung kann von einer Einzelperson oder mehreren Personen eingereicht werden. Das Abstract sollte sich auf das Thema der Tagung beziehen. Die Dauer des Vortrags beträgt 20 Minuten gefolgt von einer 10-minütigen Diskussion.
  3. Session mit Vorträgen: Eine Session ist ein selbstorganisiertes Seminar mit drei bis vier mündlichen Vorträgen auf der Grundlage von wissenschaftlicher Forschung oder praktischer Erfahrung. Die Vorträge werden in derselben Sitzung zu einem gemeinsamen Thema präsentiert, das dem Thema der Tagung entspricht.
  4. Posterpräsentation (Vorstellung von Forschungsergebnissen, Projekten oder Praxiserfahrungen): Die Posterpräsentation kann von einer Einzelperson oder mehreren Personen erstellt werden. Die Poster werden während der Tagung ausgestellt. Zudem findet eine Poster-Session statt, in der die Autor*innen Fragen zu ihrem Poster beantworten.
  5. Open-Space-Beitrag (Mitmach-Formate): Dieses Format soll Räume eröffnen, um sich über wissenschaftliche Forschung und Praxiserfahrungen zum Thema der Tagung auszutauschen. Es können Vorschläge für freie Formate wie u.a. Barcamps, Workshops oder World-Cafés eingereicht werden.
  6. Künstlerische Beiträge: Es soll ein Möglichkeitsraum eröffnet werden, in dem Kunst und Kultur stattfinden können, beispielsweise Theateraufführungen, Lesungen oder musikalische Darbietungen.
  7. Raum der Möglichkeiten: Mit diesem Raum der Möglichkeiten wird ein Format geschaffen, in der während der Tagung Themen vorgeschlagen und vertieft werden können, so dass neue Kontakt- und Austauschformen erprobt werden können.

6. Einreichung & Deadline

Ihr könnt Euren Beteiligungsvorschlag und eine kurze Autor*innen-Info unter der E-Mail-Adresse

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. einreichen.

Die Deadline für den Call for Papers ist der 15. Januar 2026!

7. Dokumentation & Kontakt

Im Anschluss an die Tagung erfolgt eine Dokumentation der Tagung in der digitalen Schriftenreihe „Prekäres Wohnen und Wohnungslosigkeit“ (ISSN: 2942-7045) der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm.

Für Rückfragen steht Euch das Organisationsteam unter der Adresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. jederzeit zur Verfügung.

Weitere Informationen sowie Anmeldung unter


Für Teilnehmende mit Wohnungslosigkeitserfahrungen übernehmen wir Fahrt-, Unterkunfts- sowie Verpflegungskosten. Die Teilnahme an der Tagung ist kostenfrei. Andere Formen der
Übernachtung werden unterstützt. Das Mitbringen von Tieren (z. B. Hunde) ist willkommen.

Wir freuen uns auf Eure Teilnahme und eine spannende Tagung in Augsburg im März 2026!

Herzliche Grüße

Corinna Höckesfeld (Augsburg), Frank Sowa (Nürnberg), Manja Starke (Heimbach), Sophie Linßner (Leipzig), Stefan Schneider (Berlin) & Sybill Janetz (Berlin)
- Organisationsteam der Tagung -

Die Tagung wird mit Mitteln der Stiftung Obdachlosenhilfe Bayern gefördert.

stiftung obdachlosenhilfe bayern

 

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