Guten Tag,
im heutigen Newsletter können wir etwas zeigen, was für uns als Wohnungslosen_Stiftung besonders wichtig ist: Menschen mit Wohnungslosigkeitserfahrung stehen im Mittelpunkt – nicht als Thema, sondern als handelnde Personen.
In den folgenden kurzen Videos kommen Swen aus Hildesheim, Daniel aus Berlin sowie Kalle und Werner aus Köln zu Wort. Alle vier sind mit dem offenen Netzwerk der Wohnungslosen_Stiftung verbunden. Ihre Geschichten und ihr Engagement zeigen, wie wichtig eine unabhängige Selbstvertretung wohnungsloser Menschen ist – im offenen Netzwerk der Wohnungslosen_Stiftung ebenso wie im Frauen*Salon.
Uns ist bewusst, dass in diesem Newsletter vor allem Männer zu Wort kommen. Unsere Selbstvertretung ist aber vielfältig, und wir arbeiten daran, auch die Positionen und Sichtweisen von Frauen* noch stärker verbreitet werden.
Ganz am Ende noch ein Beitrag von Alli Neumann aus den „FunFacts“. Wir finden es großartig, dass Alli darin viele Gedanken und Forderungen aufgreift, die uns in der Wohnungslosen_Stiftung wichtig sind.
Viel Freude beim Anschauen.
Wie landet ein Mensch auf der Straße, obwohl er eigentlich nur einem gewaltvollen Umfeld entkommen wollte? Und warum ist der Weg aus der Obdach- oder Wohnungslosigkeit oft deutlich schwieriger, als viele Menschen glauben? Swen ist Teil der #NDRfragt-Community und in der dritten Folge von "#NDRfragt und hört zu" erzählt er von fast zwei Jahrzehnte auf der Straße, von Vorurteilen und Missverständnissen gegenüber obdach- und wohnungslosen Menschen sowie von den Herausforderungen, die Betroffene tagtäglich bewältigen müssen.
https://www.youtube.com/watch?v=8AQq_NCMvOc
1200 Euro für 7,5 Quadratmeter – was in der Wohnungslosenhilfe schiefläuft
Ein Fernsehbeitrag aus dem ZDF Magazin Wiso vom 18. Mai 2026 beleuchtet die Zustände in einer Berliner Wohnungslosenunterkunft. Zu Wort kommt auch Daniel, der seine Erfahrungen aus mehreren Jahren in einer Unterkunft schildert. Daniel engagiert sich heute unter anderem im offenen Selbstvertretungs-Netzwerk der Wohnungslosen_Stiftung.
Der Beitrag macht deutlich, worauf viele Erfahrungsexpert*innen seit Jahren hinweisen: Die Wohnungslosenhilfe steckt in einem Dilemma. Hohe öffentliche Ausgaben fließen in Unterbringung, in der wohnungslose Menschen wohnungslos bleiben, während gleichzeitig Wohnraum leer stehen. Menschen verbringen Monate oder sogar Jahre in Einrichtungen, die eigentlich nur eine Notlösung sein sollten. Diese Notlösungen gehören sofort abgeschaft: Wohnungslosigkeit wird nicht durch immer mehr zwangsgemeinschaftliche Notunterkünfte überwunden, sondern durch Wohnungen und selbstbestimmte alternative Wohnformen.
https://www.zdf.de/play/magazine/wiso-104/wiso-vom-18-mai-2026-100
https://www.youtube.com/watch?v=cgF123lN6Ss
Wenn Kalle Gerigk loszieht, wird es laut und bunt und nicht selten kommt die Polizei. Den 66-Jährigen stört das nicht. Er will auffallen und Rabatz machen, um gegen Leerstand zu kämpfen. Regelmäßig zieht der »Mietrebell« mit seinen teils betagten Mitstreitern los, klettert auf Balkone und demonstriert vor Häusern, in denen schon seit Langem niemand mehr wohnt. Wie zuletzt an einem Gebäude, das seit 18 Jahren leer steht. In seiner Heimatstadt Köln ist Kalle bekannt wie ein bunter Hund. Genug zu tun gibt es: Der Stadt fehlen aktuell 10.000 Wohnungen.
https://www.youtube.com/watch?v=lSNkVY_3qEo
Obdachlosigkeit in Deutschland betrifft weit mehr Menschen, als viele denken: Über eine Million Menschen leben ohne festes Mietverhältnis, Zehntausende sogar auf der Straße. Besonders Jugendliche geraten immer häufiger in Wohnungslosigkeit, während gleichzeitig über Kürzungen in der Jugendhilfe und über Sparvorschläge diskutiert wird. Friedrich Merz, die Bundesregierung und die Kommunen stehen dabei vor einer Frage, die politisch unbequem ist: Warum wird bei Prävention gespart, wenn Notunterkünfte und soziale Folgekosten am Ende viel teurer werden? Der Blick nach Finnland zeigt, dass Housing First und bedingungsloses Wohnen Wohnungslosigkeit deutlich wirksamer bekämpfen können als reine Notfallhilfe. In Kooperation mit CORRECTIV – Recherchen für die Gesellschaft
https://www.youtube.com/watch?v=pm2LdAzmip0
Toll, dass Alli Neumann in ihrem Beitrag zentrale Positionen vertritt, für die auch die Wohnungslosen_Stiftung steht.
Nur das Ende ist etwas unglücklich geraten. Es geht eben nicht darum, dass niemand im reichen Deutschland auf der Straße erfriert (dann sind wir wieder bei den von ihr und uns kritisierten menschenunwürdigen zwangsgemeinschaftlichen Massennotunterkünften), sondern es sollte natürlich heißen: dass alle wohnungslosen Menschen eine eigene Wohnung - oder eine selbstbestimmte alternative Wohnform - erhalten.
Daran müssen wir noch arbeiten.
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Stefan Schneider / Wohnungslosen_Stiftung
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