Guten Tag,
beim diesjährigen Recht auf Stadt-Forum in Offenbach (und ein bisschen auch in Frankfurt) waren insgesamt neun Menschen aus dem offenen Netz der Wohnungslosen_Stiftung und dem Frauen*Salon dabei. Sie haben nicht nur teilgenommen, sondern sich auch an drei Programmpunkten aktiv eingebracht.
Gerade bei einem Forum, auf dem über Ausgrenzung, Verdrängung und Stadtentwicklung diskutiert wird, ist Selbstvertretung wohnungslosigkeitserfahrener Menschenesonders wichtig. Denn wer kennt sich besser aus als die Erfahrungsexpert:innen der Wohnungslosen_Stiftung bzw. des Frauen*Salons.
Michael aus Heimbach hat seine Eindrücke von den Tagen in einem kleinen Bericht festgehalten.
Viel Spaß beim Lesen!
Solidarische Grüße
Stefan
Am Morgen vor der Fahrt nach Offenbach waren wir bei der Kundgebung KI;osk, bei der es um KI-unterstützte Videoüberwachung im Frankfurter Bahnhofsviertel ging. Dort standen auch die Genossen mit dem Kiosk der Solidarität aus Berlin.
Zum Sprech kamen Franziska Funk von der Gesellschaft für Grundrechte, Stefan Schneider der Wohnungslosenstiftung, Lukas vom RAS Offenbach, Moritz vom Kiosk, Dona Carmen von dem gleichnamigen e. V., die sich für die Rechte von Frauen in der Prostitution einsetzen, sowie Claudia vom Medienkollektiv Frankfurt, die alles dokumentierte. Es hatten dann noch einige Leute aus der Nachbarschaft das Wort und haben von Konsum und anderen Geschichten erzählt.
Ich selbst finde das System der KI-unterstützten Überwachung ein zweischneidiges Schwert. Zum einen könnte es helfen, eine sicherere Gegend zu gestalten, zum anderen vertreibt man damit die Gruppen, die auf diese Gegenden angewiesen sind. Ich selbst bin mir zu diesem Thema unsicher, da ich nicht sicher bin, wie sicher und umgesetzt das ist. Wenn diese KI-Befunde zu Straftaten tatsächlich nur Verdacht sind, muss ich da leider sagen: Spart euch den Strom.
Des Weiteren sollte man das nicht benutzen, um irgendwelche Gruppen aus dem Bahnhofsviertel zu verbannen, ob Rotlichtarbeiterinnen, Obdachlose oder Zugewanderte.
Gegen Abend ging es dann zur Auftaktveranstaltung von RAS.
Nun, was soll ich sagen? Hm, dieses Jahr wirkte Recht auf Stadt für mich etwas verwirrend, quer über die Stadt verteilt in einem ca. 2 km Radius.
Das Erste, das mir spontan auffällt, wäre, dass mir dieses Mal eine Ausschilderung gefehlt hat. Ab der Innenstadt war sie vorhanden, aber vom Hauptbahnhof haben wir uns erst mal verlaufen, was aber wohl an der Tatsache lag, dass wir uns nach dem alten Programm gerichtet haben und wir nicht auf den Plan geschaut haben, der im Anhang war. Jedoch wäre eine Ausschilderung echt gut gewesen.
Das Empfangsteam war freundlich und nett, wenn auch etwas verplant, aber das ist normal, wenn man zum ersten Mal so eine Veranstaltung plant.
Angekommen haben wir uns dann das Eröffnungsplenum angehört, wo es auch noch Sprech aus dem Anwesenden gab, die nicht auf der Bühne oder besser gesagt vorne saßen.
Danach gab es Abendbrot. Dort hatte die Küfa (Küche für alle) vom Kurdischen Frauenrat SARA gekocht.
https://www.instagram.com/sara.kurdischerfrauenrat
Der Morgen des Samstags verlief im Grunde ruhig. Zum Frühstück waren wir zu spät, aber mehr absichtlich als aus Versehen, aber wohl eher beides, da ich noch einen Sonnenbrillenclip besorgen musste. Ohne bin ich blind.
Weil Frühstück für mich eher so ein „Kann man machen“-Ding ist, hatte ich da nichts vom Programm mitgenommen, weil es ein Gespräch mit ein paar Genossen gab. Kontaktpflege und Austausch über dies und das.
[Was Michael verpasst und deshalb nicht erwähnt hat: Unser Freund Markus aus Frankfurt hat einen gut besuchten Workshop durchgeführt zum Thema Gewalt auf der Strasse -Erfahrungen und Strategien zur Verteidigung Gemeinsam sprechen wir über Bedrohungen, Übergriffe und Gewalt auf der Straße, in Einrichtungen oder im Alltag wohnungsloser Menschen. Anhand von Gesprächen, kurzen Inputs und Rollenspielen geht es um Ursachen von Gewalt, Deeskalation, gegenseitige Unterstützung und Möglichkeiten des Selbstschutzes. Der Workshop enthält sensible Inhalte. Moderation und Input durch Markus (Frankfurt) und weitere Erfahrungsexpert:innen aus dem Netzwerk der Wohnungslosen_Stiftung.]
Samstagmittag zur Mittagspause hatten wir dann einen Sprech mit der Orga, da es ein Missverständnis wegen der Bettenbörse gab.
Konflikte und Missverständnisse lassen sich bei gemeinschaftlichen Veranstaltungen nicht immer vermeiden. Entscheidend ist jedoch, ob die Beteiligten die Möglichkeit nutzen, miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Wo dieser Dialog nicht zustande kommt oder vorzeitig abgebrochen wird, bleiben häufig Fragen offen und mögliche Lösungswege ungenutzt.
Weg vom schweren Sprech, denn Mittagspause heißt auch essen.
Das Frühstück, Mittagessen sowie der Rest wurden vom Küfa-Kollektiv 
einer Initiative, die überzeugend lecker vegan kocht und alles aus geretteten Lebensmitteln herstellt.
Nach der Mittagspause hatten wir einen Workshop „Verdrängung von marginalisierten Gruppen aus dem öffentlichen Raum“, der im Klingspor Museum stattfand, einem verdammt coolen Museum, das sich auf Buch- und Schriftkunst spezialisiert hat.
Wir waren im zweiten Stock im Dauerausstellungsraum. Großer Raum, viele Ausstellungsvitrinen und ein riesiges Regal über die ganze Wand beim Eingang. Und alles voller Bücher.
Angefangen hat der Workshop mit dem Vortrag von Lisa Hupperich „Verdrängung + Freiraumangebot im öffentlichen Raum“, einer Präsentation, in der es um menschenfreundliche Architektur ging und um den Wandel, wie soziale Architektur aussehen könnte und auch, wie man die Stadt freundlicher gestalten kann für die verschiedensten Gruppen von Obdachlosen, Flüchtlingen und Kindern, wozu es rege Rückmeldungen gab.
Danach redeten Manja und Janina über ihre Erfahrungen mit Obdachlosigkeit und die Freiräume, die es bringt und nicht bringt.
Das war dann auch schon der Samstag.
Die Abschlussrunde war dann eigentlich nur noch ein Hin und Her über die Eindrücke vom Wochenende und wie es mit Recht auf Stadt weitergehen soll.
Viele haben erzählt, was sie aus den Workshops und Gesprächen mitgenommen haben. Dabei ging es auch um Kritik. Mehrfach kam zur Sprache, dass manche Beiträge sehr akademisch waren und wie man Menschen erreichen kann, die kein Deutsch sprechen. Auch über gescheiterte Strukturen, Überforderung im Ehrenamt und die Zukunft des Netzwerks wurde gesprochen.
Was mir persönlich etwas gefehlt hat, waren mehr Menschen, um die es bei vielen Themen eigentlich geht, zum Beispiel wohnungslose Menschen, Geflüchtete oder andere von Verdrängung betroffene Gruppen.
Trotzdem war es schön zu sehen, wie viele verschiedene Initiativen aus unterschiedlichen Städten dabei waren und sich miteinander ausgetauscht haben.
Am Ende hat sich dann noch eine Gruppe gebildet, die sich darum kümmern möchte, dass Recht auf Stadt nicht im Sand verläuft. Ich hoffe wirklich, dass das gelingt, auch wenn mein Bauchgefühl im Moment leider etwas anderes sagt.
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Stefan Schneider / Wohnungslosen_Stiftung
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