Guten Tag,
im Rahmen des Nationalen Aktionsplans zur Bekämpfung der Wohnungslosigkeit finden mittlerweile regelmäßig Jahreskongresse statt. Der veröffentlichte Ablauf des „Jahreskongresses Nationales Forum gegen Wohnungslosigkeit“ am 24. März 2026 (https://www.wohnungslosenstiftung.org/media/com_acym/upload/2026_03_26_Programm___Jahreskongress_Nationales_Forum_gegen_Wohnungslosigkeit_2026.pdf) zeigt jedoch ein strukturelles Problem der deutschen Wohnungslosenpolitik: Menschen mit Wohnungslosigkeitserfahrung dürfen ihre Geschichte erzählen – aber sie dürfen nicht mitentscheiden.
Zwar sind zwei Menschen mit Wohnungslosigkeitserfahrung, Ilse Kramer (Initiative Wohnen Bauen Arbeiten – IBWA, Link) und Lutz Schmidt (ehemals Dorfrat Herzogsägmühle), beide im Vorstand des Vereins Selbstvertretung wohnungsloser Menschen (Bethel), zu Beginn für Impulsgespräche eingeladen. Doch danach übernehmen Staatssekretäre, Bundestagsabgeordnete, Ministerien, Verbände und Wissenschaft die gesamte politische Debatte. In Podien, Workshops und Abschlussdebatten sind Menschen mit Wohnungslosigkeitserfahrung nicht vertreten.
Damit wird ein klares Signal gesetzt: Erfahrung darf gezeigt werden, politische Entscheidungen werden jedoch ohne Beteiligung derjenigen getroffen, die sie erleben. Gleichzeitig werden die Organisationen der eingeladenen Menschen im Programm nicht erwähnt, sodass ihre politische Arbeit unsichtbar bleibt.
Führende Vertreter etablierter Hilfsstrukturen – etwa aus der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG-W) oder dem Evangelischen Bundesfachverband Existenzsicherung und Teilhabe (EBET) – besetzen hingegen ganz selbstverständlich die Podien und Workshops. Dass Menschen mit Wohnungslosigkeitserfahrung dort nicht gleichberechtigt vertreten sind, scheint sie nicht weiter zu stören – obwohl sie sonst bei jeder Gelegenheit die Bedeutung von Teilhabe und Selbstvertretung betonen.
Das Signal ist klar: Im Zweifel kommt es auf wohnungslose Menschen nicht an. Wohnungslosigkeit wird als Thema der Institutionen behandelt, nicht der Menschen, die sie erleben.
Zudem bleibt die strukturelle Dimension von Wohnungslosigkeit unberücksichtigt:
Solange diese Potenziale nicht ernsthaft diskutiert werden, bleibt Wohnungslosigkeit ein verwaltetes soziales Problem, bei dem Menschen weiterhin wohnungslos bleiben.
Die Wohnungslosen_Stiftung macht deshalb deutlich:
Menschen werden nicht wohnungslos, weil sie persönliche Defizite haben – sondern weil der Zugang zu Wohnraum systematisch ausgeschlossen wird. Die wirksamste Maßnahme gegen Wohnungslosigkeit ist nicht ein immer komplexeres Hilfesystem, sondern der unmittelbare Zugang zu einer eigenen, dauerhaften Wohnung.
Der Kongress zeigt erneut, dass institutionelle Debatten über Wohnungslosigkeit die Stimmen derjenigen ausblenden, die sie erleben. Die Wohnungslosen_Stiftung fordert eine echte, gleichberechtigte Beteiligung von Menschen mit Wohnungslosigkeitserfahrung – als politische Akteure, nicht nur als Symbolfiguren.
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Foto: Quelle: https://recht-auf-wohnen.de/presse/stellungsnahme-und-erklaerung-zur-hausbesetzung-jahrelanger-leerstand-beendet/
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Stefan Schneider / Wohnungslosen_Stiftung
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