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2026_01_02 Newsletter Neujahrswünsche, Frauen*Salon und weiteres

2026_01_02 Newsletter Neujahrswünsche, Frauen*Salon und weiteres

Guten Tag, der erste Newsletter im neuen Jahr ist randvoll mit Themen und Hinweisen.

  1. Neujahrswünsche

  2. Frauen*Salon - 1. bundesweites Treffen wohnungsloser Frauen* in Essen

  3. Wohnungslosen_Stiftung setzt Maßstab: Peer-Stelle nach TVöD SE 8b

  4. Schon der dritte Anschlag auf Kältebus in Berlin – und die Debatte bleibt unverändert

  5. Auch in unerfreulichen Zeiten gibt es Gutes zu berichten... - Laptop und Smartphones gespendet

  6. Umfrage zu Diskriminierungserfahrungen - macht da mit und bringt Eure Erfahrungen ein 

  7. CfP "Gemeinsam mehr erreichen - Wohnungslosigkeit überwinden!" 18.-21. März 2026, Augsburg - Beiträge einreichen bis 15. Januar

Herzliche Grüße, Stefan


1. Neujahrswünsche

neujahrswunsch2026Im neuen Jahr 2026 wünschen wir Euch und Dir von Herzen Gesundheit, Frieden, Zuversicht, Freundschaft, Wohlergehen, Liebe und vor allem eine warme, eigene und bezahlbare Wohnung - oder eine sichere, selbstbestimmte Wohnform.

Wohnungslose Menschen erleben jeden Tag, was politische Entscheidungen bedeuten: ob sie frieren oder geschützt sind, sichtbar sind oder übersehen werden, eine Wohnung erhalten – oder vertröstet werden. 2026 darf kein weiteres Jahr der leeren Versprechen sein. Wir brauchen keine Symbolik, sondern die Umsetzung von Menschenrechten. Keine Notlösungen, sondern Wohnungen. Keine Ausgrenzung, sondern Teilhabe.

Alles verändert sich, wenn wir es verändern: Wohnen als Menschenrecht muss endlich anerkannt werden, Armut darf nicht länger diskriminiert, sondern muss durch Umverteilung aufgehoben werden. Wir wollen, dass 2026 ein Jahr des Aufbruchs und der Verbundenheit wird – nicht in Worten, sondern in Taten, Aktionen, Gesetzen, Haushalten, konkretem Handeln und dem Öffnen von leer stehenden Wohnungen.


2. Frauen*Salon - 1. bundesweites Treffen wohnungsloser Frauen* in Essen

Im vergangenen Jahr konnten wir ein wichtiges Projekt wesentlich voranbringen - den Frauen*Salon, ein offenes Netzwerk und zugleich ein geschützer Raum von Frauen* mit Wohnungslosigkeitserfahrung und in Wohnungsnot.

Mit Hilfe des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Nordrhein-Westfalen (MAGS NWR) und mit Co-Finanzierung der Europäischen Union ist es uns gelungen, im Rahmen eines 5-Monats-Projekts ein Präsenztreffen des Frauen*Salons Ende November 2025 mit beinahe 30 Frauen* mit Wohnungslosigkeitserfahrung zu organisieren. Vier Tage lang diskutierten die Teilnehmer*innen ihre Lebensrealitäten, teilten Erfahrungen und entwickelten Forderungen an Politik und Gesellschaft.

Ziel war es, die Stimmen von Frauen*, die oft übersehen werden, sichtbar zu machen und Begegnungsräume zu schaffen, die Solidarität und Austausch fördern. Die Organisatorinnen betonten, dass politische Maßnahmen, ausreichender Wohnraum und gesellschaftliche Teilhabe keine Luxusfragen, sondern Menschenrechte sind.

Wer über das Treffen mehr erfahren möchte, kann sich hier ein Video ansehen, dass von unserem Partnerprojekt Stiftung Solidarität (https://stiftung-solidaritaet-bielefeld.de/) aus Bielefeld im Rahmen des Projekts arMUTig erstellt worden ist (Dank an Petra und ihrem Team!): 

https://www.youtube.com/watch?v=GtaXuGJlVSw 
(die ganze Sendung kann hier angesehen werden: https://www.youtube.com/watch?v=G5JlO_yS3Ho)

Ein Bericht über das Treffen bei Radio Essen kann hier nachgelesen werden

https://www.radioessen.de/artikel/erstes-treffen-in-essen-fuer-wohnungslose-frauen-2504969

Wir hoffen, dass das Projekt Frauen*Salon mit Hilfe einer weiteren Förderung durch das MAGS NWR und der EU weiter entwickelt werden kann. Alle teilnehmenden Frauen* waren sich einig, dass es Folgetreffen in Präsenz geben sollte.


3. Wohnungslosen_Stiftung setzt Maßstab: Peer-Stelle nach TVöD SE 8b

Im Rahmen des vom MAGS NRW und der EU geförderten Projekts Frauen*Salon (siehe oben) hatten wir die Möglichkeit, Manja als hauptamtliche Mitarbeiterin für fünf Monate bei der Wohnungslosen_Stiftung einzustellen.

Das Ministerium wollte von uns wissen, wie die geplante Stelle eingruppiert werden soll. Damit standen wir vor der Frage: Nach welchen Kriterien lässt sich eine angemessene Eingruppierung für diese Aufgabe bestimmen? Empfehlungen von Kolleginnen und Kollegen aus einem befreundeten Projekt (Danke vor allem an Alex!) führten uns zum Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD). Daraufhin meldeten wir zurück: Manja soll als Peer mit eigener Erfahrung von Wohnungslosigkeit in der Entgeltgruppe TVöD SE 8b beschäftigt werden.

Zur Erläuterung: TVöD SE 8b ist eine Gehaltsstufe im Sozial- und Erziehungsdienst – zum Beispiel für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter oder Beraterinnen und Berater. Wer hier eingruppiert ist, übernimmt fachliche Verantwortung, wird tariflich fair bezahlt und seine Tätigkeit wird als vollwertige soziale Arbeit anerkannt, nicht als Ehrenamt oder Hilfstätigkeit. Die Eingruppierung orientiert sich an den tatsächlichen Anforderungen der Stelle und würdigt Erfahrungsexpertise als fachliche Qualifikation.

Wir hatten etwas Sorge, dass das Ministerium nach formalen Qualifikationen fragen würde. Was hätten wir da antworten können? Dass Manja 3 Jahre auf der Straße war und viele weitere Jahre ohne eigene Wohnung? Für uns war entscheidend, dass wir Manja zutrauten, dieses Projekt stabil umzusetzen und durchzuziehen und Manja dieses Zutrauen auch selbst mitbrachte. 

Am Ende ist vor allem eines entscheidend: Mit der vom Ministerium anerkannten Eingruppierung wird Peer-Arbeit eines Menschen Mit Wohnungslosigkeitserfahrung erstmals tariflich als qualifizierte Facharbeit anerkannt. Die Wohnungslosen_Stiftung versteht diese Eingruppierung als Referenzrahmen für weitere Peer-Stellen und als deutliches Signal an Träger und Politik: Erfahrungsexpertise verdient faire Bezahlung und verbindliche Standards. Ziel ist die dauerhafte, tariflich abgesicherte Verankerung von Peer-Arbeit im Handlungsfeld Wohnungslosigkeit.


4. Schon der dritte Anschlag auf Kältebus in Berlin – und die Debatte bleibt unverändert

Erneut ist ein Kältebus der Berliner Stadtmission, der obdachlose Menschen im Winter unterstützt, Ziel eines Brandanschlags geworden: ein Fahrzeug brannte aus, ein weiteres wurde beschädigt. Es ist bereits der dritte Anschlag auf diese Fahrzeuge. Die Motive sind unklar.
(siehe z. B. https://taz.de/Brandanschlag-auf-einen-Kaeltebus/!6141753/)

Die Stadtmission nutzt die Anschläge nun für Spendenkampagnen. Sie setzt damit einmal mehr auf die alte Logik: ein Schlafplatz in einer zwangsgemeinschaftlichen Notunterkunft gilt als Lösung, nicht eine eigene Wohnung. Dabei wünscht sich eine übergroße Mehrheit wohnungsloser Menschen nur eines: Wieder in einer eigenen Wohnung leben zu können.

Der Kältebus kann Wohnungslosigkeit nicht lösen – er verwaltet sie lediglich. Die Option, in zwangsgemeinschaftliche Massennotunterkünfte gebracht zu werden – die in der Regel am nächsten Morgen wieder verlassen werden müssen – wird von vielen obdachlosen Menschen bewusst abgelehnt. Es sind oft Orte der Gewalt, die von vielen Menschen als bedrohlich oder belastend empfunden werden. Kältebusse versorgen obdachlose Menschen mit warmem Essen, Getränken, Kleidung und ggf. medizinischer Hilfe und bieten Ansprechpartner - trotzdem bleiben die Menschen obdachlos. Nur eine eigene Wohnung schafft echte Hilfe, wie das Berliner Bündnis „Gemeinsam gegen Obdachlosigkeit und Zwangsräumungen“ immer wieder betont. Wohnungen stehen leer.


5. Auch in unerfreulichen Zeiten gibt es Gutes zu berichten... - Laptop und Smartphones übergeben

2025 10 Janina RoslauJanina ist eine Erfahrungsexpertin in eigener Sache und aktiv beim Frauen*Salon und der Wohnungslosenstiftung. Da sie keine technische Möglichkeit hatte, um an Zoom-Meetings teilzunehmen, zu recherchieren, Papiere zu bearbeiten oder einfach auch mal einen Bericht oder ein Protokoll zu schreiben, hat der Frauen*Salon beschlossen, ihr ein Notebook zu besorgen. Auch Janet aus der Habersaatstraße (einem Haus, in dem viele obdachlose Menschen leben) konnten wir unterstützen. Sie hat von uns ein Handy bekommen, damit sie wieder besser erreichbar ist und an digitalen Angeboten teilnehmen kann.

Wir vom Netzwerk Frauen*Salon der Wohnungslosenstiftung wollen erreichen, dass alle Menschen mit Wohnungslosigkeitserfahrung auch an der digitalen Welt teilnehmen können, dass jeder Mensch die Möglichkeit bekommt, an den digitalen Angeboten teilzuhaben. Wichtig ist es uns aber auch, Frauen* mit alltäglichen Dingen des Lebens auf der Straße zu unterstützen. Vielleicht auch mit einem Schlafsack, einer Isomatte, einer dicken Jacke, Hygieneartikel oder was gerade gebraucht wird. Jetzt kommt die kalte Jahreszeit wieder, und nicht jeder Mensch hat ein Dach über dem Kopf oder einen sicheren Schlafplatz (eine eigene Wohnung wäre die beste Möglichkeit, um Menschen in Wohnungsnot zu helfen).

Und da kommt es wieder: Ohne Zugang zur digitalen Welt ist es fast nicht möglich, an solche lebenswichtigen Informationen zu kommen, da sehr viele Informationen zu/von Hilfesystemen online zur Verfügung stehen.

Wir wollen auch eine Notfallnummer für Frauen* einrichten, an die die Frauen einfach eine SMS oder WhatsApp schreiben können. Wir rufen sie dann zurück, um für die Frauen* keine Extrakosten zu verursachen und versuchen, einen Weg zu finden, ihr ganz einfach mit Informationen oder einem Gespräch zu helfen.

Um weiterhin Frauen* mit Wohnungslosigkeitserfahrung zu unterstützen, ist jede noch so kleine Spende willkommen und wichtig.

Der Frauen*Salon ist ein digitales Angebot, das sich an Frauen mit Armutserfahrungen wendet. Wir bieten jeden zweiten Mittwoch um 17:00 Uhr einen Raum per Zoom an. Die Teilnehmerinnen können so kommen, wie sie gerade da sind mit oder ohne Kamera, vielleicht auch nur mal zum Zuhören.

„Glück ist das Einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt.“

Hier geht es zu unserem Spendenformular: 
https://secure.spendenbank.de/form/3734?langid=1


6. Umfrage zu Diskriminierungserfahrungen - macht da mit und bringt Eure Erfahrungen ein!

Auf Deine Beteiligung kommt es an! Nehmt bitte an der Umfrage zur Diskriminierung teil, damit Deine Erfahrungen gehört und in der Auswertung mit einbezogen werden können. (https://diskriminierung-umfrage.de/)

Kaum ein Mensch, der nicht wohnungslos war, kann nachvollziehen, was es bedeutet, auf der Straße zu sein, zwangsgeräumt zu werden, ganz zu schweigen von den vielen Schikanen in Ämtern, Behörden und in Angeboten der Wohnungslosenhilfe.

Drei gute Gründe, bei der Umfrage zu Diskriminierung mitzumachen:

1. Deine Stimme hilft, Diskriminierung sichtbar zu machen.

2. Verlässliche Daten und Fakten ermöglichen Veränderungen.

3. Jede*r liebt Umfragen.

Einrichtungen und Angebote der Wohnungslosenhilfe: Bitte unterstützt Eure Gäste und Besucher*innen, die Umfrage auszufüllen – sei es durch Begleitung, technische Hilfe, Übersetzungen oder einfach Zeit und Raum. Eure Unterstützung hilft, dass möglichst viele Stimmen gezählt werden.

👉 Die Umfrage ist auch in mehreren Sprachen verfügbar, damit möglichst viele Menschen teilnehmen können.

 https://survey.lamapoll.de/Diskriminierungserfahrungen_2025/de


7. CfP "Gemeinsam mehr erreichen - Wohnungslosigkeit überwinden!" 18.-21. März 2026, Augsburg - Beiträge einreichen bis 15. Januar

Wir laden herzlich zum Netzwerktreffen/ Tagung der Wohnungslosen_Stiftung vom 18.–21. März 2026 in Augsburg ein. Das Treffen richtet sich an Menschen mit Wohnungslosigkeitserfahrung sowie an interessierte Bürgerinnen und Bürger, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, Politikerinnen und Politiker, Künstlerinnen und Künstler sowie Forschende.

Unter dem Motto „Gemeinsam mehr erreichen: Teilhabe ausbauen – Räume gestalten – Wohnungslosigkeit überwinden!“ möchten wir das Treffen als aktive Plattform für Mitwirkung gestalten. Deshalb rufen wir alle Teilnehmenden dazu auf, bis zum 15. Januar 2026 Beiträge, Themen, Ideen oder Statements einzureichen und so das Programm aktiv mitzugestalten. Besonders ermutigen wir Menschen mit eigener Wohnungslosigkeitserfahrung, sich einzubringen.

Die Anmeldung für die Teilnahme am Netzwerktreffen ist ab Ende Januar 2026 möglich. Sollten Hindernisse bestehen – etwa Begleitperson, Hund, Gesundheit, Sprachbarrieren oder finanzielle Fragen – meldet euch gerne bei uns, wir finden gemeinsam eine Lösung.

Weitere Infos und Einreichung: https://www.wohnungslosenstiftung.org/neuigkeiten/tagung-augsburg-2026-aufruf.html


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Das ist eine Nachricht von

Stefan Schneider / Wohnungslosen_Stiftung
Gesellschaft für Selbstvertretung wohnungsloser Menschen
und Empowerment auf Augenhöhe gemeinnützige UG (haftungsbeschränkt)

Freistellungsbescheid vom 04.04.2023
für gemeinnützige und mildtätige Zwecke
Steuernummer: 27 / 613 / 06656

Handelsregister-Nummer: HRB 251093 B
Amtsgericht Berlin Charlottenburg

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Die Wohnungslosen_Stiftung ist der Interessenverband von Menschen mit Wohnungslosigkeitserfahrung im deutschsprachigen Raum. Wir setzen uns dafür ein, dass Menschen mit Wohnungslosigkeitserfahrung sich austauschen, vernetzen und ihre Anliegen angstfrei äußern können.

In unserem offenen Netzwerk engagieren sich über 120 Menschen mit eigener Erfahrung, Gruppen, Initiativen, Bündnisse, Vereine und Unterstützer:innen – gemeinsam und auf Augenhöhe. Zweimal im Jahr organisieren wir offene Netzwerktreffen an wechselnden Orten, um den Austausch und die Zusammenarbeit zu stärken, politische Forderungen zu erarbeiten und gemeinsame Aktionen zu planen. Unser kostenloser Newsletter erreicht über 6.000 Interessierte und informiert unregelmäßig über Themen wie Wohnungslosigkeit, Empowerment und Selbstvertretung.

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